Probenaufnahme

Reinhard Schwarz: Beobachtungen eines Flüchtlings

Ein Mensch, der Heimat jäh entrissen,
bemerkt: Man will von ihm nichts wissen.
Obschon aufs Höchste er bescheiden,
kann weit und breit ihn niemand leiden.


Er soll hier nicht herumschmarotzen,
womöglich bald mit Autos protzen.
Und das Gefasel von Gefahr
und überhaupt ist gar nicht wahr,
im Gegenteil, er sollt vielmehr
dorthin zurück, von wo er her.


Der Mensch, gewonnen erst dem Leben,
kann in dies Los sich nicht ergeben.


Er merkt, im Lager wartend, bald:
Viel Wohlstand macht die Herzen kalt.
So muss ins Tagebuch er schreiben:
Hier ist es schwer, ein Mensch zu bleiben.